Wie viele andere meiner Kollegen erhalte auch ich immer wieder Anfragen von diversen Dienstleistern denen man so auf Hochzeiten begegnet. In diesen Anfragen werde ich gebeten, Fotos kostenlos zur Verfügung zu stellen, die im Rahmen der Feierlichkeiten von ihnen, ihren Produkten, der Arbeiten und/oder Dienstleistungen angefertigt wurden.

Viele Jahre und viele Male habe ich das sehr gerne gemacht, mittlerweile verneine ich dies konsequent und sende zur näheren Erläuterung einen Link auf folgenden, offenen Brief.

 

Lieber Freund der Fotografie,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an meinen Fotografien. Sie wurden auf diese Seite umgeleitet, da Sie um...

kostenlose Nutzung meiner Bilder gebeten haben. 

Regelmäßig erreichen uns Fotografen Anfragen nach kostenlosen Bildern von Dienstleistern für die mehr oder weniger gewerbliche Nutzung. Jeder von uns wäre sicher gern in der Lage, diese Anfragen positiv beantworten zu können.

Leider ist dies aber aus verschiedenen Gründen, die ich Ihnen gerne nachfolgend erläutere, schlicht nicht möglich. Ich darf Sie an dieser Stelle beim weiteren Lesen darum bitten, meine Ausführungen so positiv wie möglich aufzufassen, denn genauso sind Sie gemeint. Mit meinen Erläuterungen möchte ich ihnen gerne meine Gründe für meine Absage näher bringen und Missverständnisse oder Verärgerung vermeiden. 

Außerdem hoffe ich, dass wir danach ins Gespräch kommen und wir eine faire Zusammenarbeit aufbauen können, aus der beide Seiten einen Nutzen ziehen können.

Die Fotografie ist mein Beruf…

…nicht nur eine Leidenschaft oder ein Hobby. Das Anfertigen von außergewöhnlichen Bildern auf hohem Niveau stellt mein Auskommen dar, von dem ich lebe. Denn, auch wenn die Fotografie mehr oder weniger von nicht materieller Natur ist, so ist sie doch eine Dienstleistung wie jede andere.

Gestatten Sie mir die Frage, ob Sie beim Bäcker auf die Idee kommen würden nach kostenlosen Brötchen zu fragen? Auch Ihre Zeitung am Kiosk bekommen Sie nicht gratis und der Tankstellenbesitzer erwartet ebenfalls, dass Sie ihren Sprit bezahlen. Letztlich gehen Sie auch nicht täglich zur Arbeit, ohne ein monatliches Gehalt zu erwarten. 

Ohne Moos nix los…

…und damit meine ich nicht meinen eigenen Bedarf, sondern ich konzentriere mich an dieser Stelle ausschließlich auf den finanziellen Aufwand, den die Fotografie erfordert.

Mit einigen wenigen Ausnahmen ist die Fotografie mit keinem großen finanziellen Profit  verbunden. Das liegt vor Allem daran, das die professionelle Ausübung regelmäßige finanzielle Investitionen erfordert. Die Fotografie ist von Grund auf sehr ausstattungs- und kostenintensiv. Wir benötigen Kameras und Objektive auf entsprechendem technischen Stand, dazu kommen Stative und Lichtanlagen. Auch Computer, Softwarelizenzen, Speichermedien und vieles Mehr müssen gekauft und bezahlt werden. Hin und wieder geht auch mal etwas kaputt und Teile müssen repariert oder ersetzt werden. Um unsere Ausrüstung bestmöglich zu schützen, muß sie regelmäßig gewartet werden und auch eine Versicherung der Ausstattung sowie der Berufstätigkeit ist unumgänglich.

Zudem müssen wir zum Einen große Datenmengen vorhalten und benötigen zum Anderen für diese ein zuverlässiges und vor allem sicheres Back-Up. 

Für unsere Werbung unterhalten wird aufwändige und ansprechende Internetseiten und sind in den sozialen Medien aktiv oder besuchen Messen.

Auch für unsere regelmäßige Aus- und Weiterbildung benötigen wir die Mittel und auch Zeit. Die Erstellung von professionellen Bildern erfordert ein großes Maß an Erfahrung und Fachwissen, diese habe ich mir im Laufe der Jahre angeeignet, meine Bilder sind das Ergebnis meines Know-hows und meiner Arbeit, die ich in den vielen Jahren meiner Berufstätigkeit aufgebaut habe. Um einen Schnappschuss zu erhalten, braucht man hingegen nur ein bißchen Glück und einen Finger der im richtigen Moment das Köpfchen drückt.

Und auch unser Finanzamt möchte entsprechend seiner Vorgaben bedient werden, somit können wir es uns schon steuerrechtlich nicht leisten, unsere Arbeit zu verschenken. Andernfalls sähen wir uns mit dem Vorwurf der Liebhaberei konfrontiert und die Steuerbehörde würde uns unterstellen unsere Arbeit als Hobby auszuüben. Man erwartet von uns, dass unsere Aktivitäten wirtschaftlich sind und prüft uns hinsichtlich unserer Gewinnerzielungsabsicht.

Auch meine Vermieter ‚freuen‘ sich jeden Monat aufs Neue, dass sie pünktlich die Miete für mein Fotostudio erhalten.

Summa summarum ist es so, dass wir zwar Verständnis für kleine Budgets haben, aber es nicht vertretbar ist, unsere Arbeit kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Das Leben ist kein Ponyhof…

…und eine namentliche Nennung des Urhebers ist verpflichtend und kein Gegenwert. 

Trotzdem versucht man oft uns im Rahmen von Anfragen anstelle einer angemessenen Bezahlung eine namentliche Nennung anzubieten. Hierbei wird gerne vergessen, das wir der Urheber des Bildes sind, somit ist dies keine Gegenleistung sondern eine Pflicht. Die namentliche Nennung ist bei Veröffentlichung also nichts, von dem wir uns erhoffen, dass man uns netterweise gewährt. Die Nennung des Urhebers ist im Urheberrecht weltweit geregelt und vorgeschrieben.

Hinzu kommt, dass ich mit einer namentlichen Nennung keine Rechnung bezahlen kann. An dieser Stelle berufe ich mich gerne auf den aktuell in der Coronakrise kursierenden Scherz, bei dem eine Krankenschwester mit dem ihr zuteil gewordenen Applaus endlich ihre Rechnungen bezahlen kann. Das funktioniert ebenso wenig wie bei mir.

Aber Scherz beiseite, ich habe ja bereits darauf hingewiesen, dass auch ich hart arbeiten muss. Ich benötige das verdiente Geld, um wieder in meine Fotoausrüstung investieren zu können und meine laufenden Kosten zu bestreiten. Und last but not least brauche ich, wie jeder andere auch, ein Einkommen für meinen tagtäglichen Lebensunterhalt. 

Daraus ergibt sich der Schluß, dass eine Namensnennung die Bezahlung für ein Bild nicht ersetzen kann. 

Ein kleiner Schwank aus meinen Leben…

…aka…Everybodys Darling is everybodys Depp

Das letzte Mal, dass ich eine entsprechende Anfrage umgesetzt habe, verlief übrigens wie folgt. Für eine Dienstleisterin habe ich 12 Aufnahmen herausgesucht, bearbeitet, mit Wasserzeichen versehen, hochgeladen, einen Download-Link generiert, eine nette Begleitmail verfasst und ihr so zur Verfügung gestellt. Die Antwortmail oder ein simples DANKE der Dame sind bis heute leider säumig. 

Ich denke, dass hat vor allem etwas mit mangelnder Wertschätzung zu tun. Dingen, die man kostenlos bekommt, misst man eben keinen Wert bei und in diesem besonderem Fall hat die Person sogar die normalen Umgangsformen vergessen. 

Unerfreulicherweise kommt es außerdem immer wieder vor, dass ich meine eigenen Bilder im Netz finde, bei denen von Dienstleistern das eigene Logo über mein Wasserzeichen kopiert wurde, das ist natürlich der absolute Gipfel der Dreistigkeit und zudem strafbar. Aber auch der fehlende Verweis zu mir als Urheber ist leider keine Seltenheit.

Zum Abschluss noch eine Geschichte und eine kleine Gedankenspielerei…

Kunde: „Ich habe ein Restaurant und brauche aktuelle Fotos meiner Menüs für meine Speisekarte. Ich hätte das Ganze gerne gratis und würde Sie natürlich namentlich erwähnen. Da ich sehr viele Gäste habe, ist das sicher eine gute Werbung für Sie. Wenn die ersten Bilder meinen Vorstellungen entsprechen, können wir das wiederholen, da ich die Speisekarte monatlich wechsle. Wenn Sie Interesse haben, bitte melden Sie sich.“

Darauf antwortender Fotograf: „Ich bin Fotograf und habe immer wieder Freunde zu Besuch. Ich suche ein Restaurant, welches für diese Treffen das Catering übernimmt. Ich zahle nichts, aber da meine Gäste ständig wechseln, ist das sicher eine tolle Werbung für Ihr Restaurant. Wenn das Essen schmeckt, können wird das gerne öfter wiederholen. Wenn Sie Interesse haben, bitte melden Sie sich.“

(Autor: unbekannt)

Resümee:

Würde ich jede Anfrage nach kostenlosen Bildern mit einer Gegenleistung des Anfragenden aus dessen Dienstleistungsbereich aufwiegen wollen, so könnte ich meinen nächsten runden Geburtstag kostenneutral mit entsprechend großer Gesellschaft zelebrieren, da ich keine Rechnung für den Eventmanager, die Location, den Caterer, den Frisör, die Tischdekoration und die entsprechende Abendgarderobe erhalten würde. 

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